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Tourismus in Cartagena


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Tourismus in Cartagena

Beitragvon Saphira18 » Fr 24. Jul 2015, 08:57

Interview mit Padre Rafael Castillo in Blickpunkt Lateinamerika


"Wir brauchen Tourismus mit menschlichem Gesicht"

Padre Rafael Castillo arbeitet in der kolumbianischen Küstendiözese Cartagena. In der Touristenmetropole prallen zwei Welten aufeinander: reiche Touristen sowie eine Bevölkerung, die in den Elendsquartieren täglich ums Überleben kämpft.

http://www.blickpunkt-lateinamerika.de/ ... 589eb27549

Wie wahr, aber das brauchen auch viele andere Orte, die von Touristen "überrannt" werden (nicht nur in Kolumbien)
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Saphira18
 
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Re: Tourismus in Cartagena

Beitragvon Chiqui » Fr 24. Jul 2015, 14:56

Schuld ist meiner Meinung nach nicht der Tourismus, der eigentlich eine riesen Chance für Kolumbien sein könnte. Schuld sind korrupte Säcke, die mit Ihrer Gier dafür sorgen, dass die verarmte Bevölkerung in keiner Weise vom Tourismus profitieren kann.

Der Padre glaubt wirklich, die Touristen kommen nach Cartagena, weil sie humanen Tourismus betreiben und in die Armenviertel gehen wollen, um dort die Armen auch mal profitieren zu lassen?

(Der Rourismus ist human) Wenn er so konzipiert ist, dass er sich nicht nur auf die Altstadt und die Küstenstraße konzentriert, sondern auch die Dörfer und die Armenviertel einbezieht. Wenn er Arbeit generiert die gerecht bezahlt wird und die Würde des Menschen respektiert.


Die kommen bestimmt nicht, um sich in den Slums von Cartagena ausrauben zu lassen, die bleiben aus guten Grund in der historischen Altstadt. Denn um genau diese zu sehen, haben sie schließlich viel Kohle locker gemacht.

Anstatt den Tourismus als inhuman zu kritisieren und dafür verantwortlich zu machen, dass "nur eine ganz kleine Gruppe der Bevölkerung davon profitiert", sollte sich der Priester mal lieber mit der typisch kolumbianischen Mentalität der Politik beschäftigen. Die ist nämlich das eigentliche Problem. Bevor sich hier nicht etwas bewegt und nicht mehr Idealisten an der Macht sind, als geldgeile, korrupte Schweine, ändert sich überhaupt nichts, da helfen auch keine Sozialprogramme und erst recht keine frommen Wünsche von Priestern, die sowieso genau wissen, dass sich ihre unrealistischen Forderungen nie erfüllen können.

Danke Saphira für den Beitrag, das war mal wieder ein schönes Beispiel für die kolumbianische Sicht auf kolumbianische Probleme.
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Re: Tourismus in Cartagena

Beitragvon Saphira18 » Sa 25. Jul 2015, 08:24

@ Chiqui du hast recht, dass der Tourismus eine Chance sein könnte für Kolumbien und im allgemeinen für Südamerika. Auch in Peru bei dem Massentourismus Rund um Cusco und Matchu Picchu verdient nur eine Handvoll Menschen daran.

Das man nur die Altstadt von Cartagena besichtigen kann, war auch ein Grund von uns vor 2 Jahren nicht in diese Stadt zu fahren. In ihren Prospekten wirbt die Stadt ja für ihren Partytourismus, für das sogenannte Hardrock Café.., wenn den Touristen von vornherein keine anderen Alternativen offenstehen was soll er tun?
Einige Sensationstouristen soll es ja geben, die Ausflüge in die Armenviertel der großen Städte machen begleitet oder unbegleitet.
Wichtig wäre doch mal eine gerechte Bezahlung der Arbeit und zu überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, einen Teil dieser Bevölkerung die Möglichkeit zu geben auch vom Tourismus zu profitieren, aber wenn an der Altstadtgrenze Schluß ist..
Und solange die Rendite der Reichen stimmt überlegt sowieso niemand etwas zu ändern

Im Reden und Hilfsprojekte durchzuführen ist die Kirche sowieso schon immer gut davon entstehen leider keine Arbeitsplätze.

@ Chiqui du hast wohl gerade richtig Frust auf die typisch kolumbianische Mentalität?
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Re: Tourismus in Cartagena

Beitragvon Chiqui » Sa 25. Jul 2015, 10:49

Saphira18 hat geschrieben:@ Chiqui du hast wohl gerade richtig Frust auf die typisch kolumbianische Mentalität?


Nein, die typisch kolumbianische Mentalität macht mir eigentlich keine Probleme, im Gegenteil gibt es vieles, das mir daran gefällt, klar, auch einiges, was nicht. Es geht mir aber ausschließlich um die Leute in Machtpositionen und die Motivation der Kolumbianer, dorthin zu kommen: ausschließlich Geld. Das ist in Deutschland anders, da spielt in der Politik tatsächlich der Wille zur Verbesserung eine Rolle. In Kolumbien wird das eher als lukrative Investition angesehen.

In Kolumbien sind die staatsrechtlichen Grundlagen aber so angelegt, dass man ohne einen Haufen Kohle politisch nichts werden kann. D.h. nur Leute, deren Lebesfokus bereits voll auf Geld eingestellt ist, gelangen in die Politik. Das geht schon auf kommunaler Ebene los. Der Bürgermeister-Kandidat, der die meisten Geschenke verteilt und 10% des Dorfes großzügig bezahlt, damit diese ausschwärmen, um Geschenke an die übrigen 90% zu verteilen, oder zumindest Versprechen, gewinnt die Wahl. Von Schmiergeldern an Wahlhelfer ganz zu schweigen. Das ist natürlich sauteuer. In der nachfolgenden Wahlperiode geht es dann auch nur noch darum, das investierte Geld wieder herienzuholen und zwar möglichst 10-fach. Bessere Rendite-Möglichkeiten findet man bei keiner seriösen Geldanlage.

Wichtige versprochene Projekte, wie z.B. fließend Wasser für alle Haushalte werden gegen die Wand gefahren oder eingefroren, die Straßen werden immer kaputter und der Bürgermeister immer fetter und sein Fuhrpark immer größer.

Wenn man das mal selbst erlebt hat, erst die Wahlversprechen und dann 4 Jahre totaler Stillstand, in denen nichtmal versucht wird, auch nur eines der Versprechen umzusetzen, fragt man sich, warum die Leute das einfach so hinnehmen und bei der nächsten Wahl wieder auf die selben Versprechen hereinfallen, als wäre nichts gewesen.

Dadurch dass wegen der fehlenden Regulierung der Wahlwerbung nur Superreiche eine Chance haben, an Macht zu kommen, kommt die Intelligenz und der Sachverstand von Intellektuellen, Idealisten und Denkern dem Land nicht zugute, es regiert die blanke Gier und das ist eines der größten Probleme Kolumbiens.
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Re: Tourismus in Cartagena

Beitragvon Saphira18 » Sa 25. Jul 2015, 13:47

Chiqui hat geschrieben:
Saphira18 hat geschrieben:@ Chiqui du hast wohl gerade richtig Frust auf die typisch kolumbianische Mentalität?


Nein, die typisch kolumbianische Mentalität macht mir eigentlich keine Probleme, im Gegenteil gibt es vieles, das mir daran gefällt, klar, auch einiges, was nicht. Es geht mir aber ausschließlich um die Leute in Machtpositionen und die Motivation der Kolumbianer, dorthin zu kommen: ausschließlich Geld. Das ist in Deutschland anders, da spielt in der Politik tatsächlich der Wille zur Verbesserung eine Rolle. In Kolumbien wird das eher als lukrative Investition angesehen.


Dann ist es ja ok

Chiqui hat geschrieben:
Dadurch dass wegen der fehlenden Regulierung der Wahlwerbung nur Reiche eine Chance haben, an Macht zu kommen, kommt die Intelligenz und der Sachverstand von Intellektuellen, Idealisten und Denkern dem Land nicht zugute, es regiert die blanke Gier und das ist eines der größten Probleme Kolumbiens.


Da stimme ich dir voll zu!

In D geht es im Moment andersrum. Man geht in die Politik um nach einiger Zeit, wenn man von der Industrie einen lukrativen Job angeboten bekommt dorthin, möglichst noch während der Legislaturperiode oder Übergangszeit. Das machen inzwischen sehr viele und können durch ihr Wissen auch wichtige Entscheidungen negativ oder besser nicht im Sinne der Bevölkerung, treffen


Chiqui hat geschrieben:

……..die Straßen werden immer kaputter und der Bürgermeister immer fetter und sein Fuhrpark immer größer.



Wenn wir auf Reisen sind beobachten wir auch die Einheimischen egal ob arm oder reich. Da wir das „Privileg“ haben als Europäer auch mal in ein Einkaufscenter oder auch Fresstempel zu kommen, haben wir schon oft beobachtet, dass sich Reichtum in Südamerika darüber definiert dort sehr reichlich zu essen und zu trinken und vor allem Produkte aus den USA bzw. deren Ketten (Pizzahut….)

Manchmal denke ich daran, dass wir Ossis oder viele davon gedacht haben, nur was aus dem Westen kommt ist gut und speziell nach der Wende wurden mit dieser Einstellung viele Unternehmen der Nahrungsindustrie platt gemacht, die sich seit einiger Zeit wieder etablieren können.

Grüße und schönes WE
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Re: Tourismus in Cartagena

Beitragvon Chiqui » Sa 25. Jul 2015, 20:37

Dass Politiker auch in Deutschland wirtschftliche Interessen haben, ist klar, und auch in Deutschland gibt es bestimmt Schweinereien, mit Lobbypolitik etc.
Trotzdem gibt es einfach mehr Idealismus und die politische Landschaft ist auch vielfältig genug um Raum für echte Oppositionen zu bieten.

Jedenfalls denke ich, dass in Kolumbien sehr vieles blockiert wird, was das Land viel weiter bringen könnte und auch den Wohlstand erhöhen könnte. Beispiele: Eisenbahn wird von Busunternehmen blockiert (die Busunternehmen sind zu großen Anteilen Besitz von Regierungsbeteilugten), Metro in Bogotá wird seit 30 Jahren blockiert, trotzdem versickern jedes Jahr Riesensummen in irgendwelchen Studien, die dann doch wieder eingestellt werden. Die Spritpreise werden vom Staat künstlich hochgehalten, selbst als es vor einigen Monaten extreme Tiefstände beim Rohölpreis gab, hat sich hier der Spritpreis nicht einen Pesos nach unten bewegt. Das Argument der Regierung, die Spritpreise nicht entsprechend dem fallenden Rohölpreis abzusenken war: durch die niedrigeren Rohölpreise beim Öl-Export verlöre der Staat Steuereinnahmen, die durch höhere Spritpreise kompensiert werden müssen. Unverschämter gehts kaum. Der Verbraucher muss hier also die "Verluste" der Erdölfirmen bezahlen. Dabei waren es nichtmal echte Verluste, sondern simple Preisbildung am Weltmarkt. Hohe Spritpreise sind in einem Land mit komplizierter Geografie - den drei Andenkordilleren - natürlich pures Gift für die Wirtschaft. Kolumbien als Erdöl-Förderland könnte eigentlich viel niedrigere Spritpreise haben, siehe Venezuela, aber die Preise sind teilweise sogar höher als in Deutschland, bei einem insgesamt deutlich niedrigeren Preisniveau.

Solche Beispiele gibt es noch viele mehr, wäre aber jetzt zu viel des Offtopic. Apropos offtopic: ich verschiebe das Thema mal in Soziales.
Chiqui
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